Aktuelle Ausstellung

Jahrhundertfund in Uznach ausgestellt

Der Finder Reto Zwicky schildert Urs Oberli, dem paläontologischen Präparator, welche Gründe ihn zur Annhame bewogen, einen Fisch vor sich zu haben. (Bild: Ilona Raymann)

Im museUm Uznach bietet sich jetzt die Gelegenheit, dem 'ältesten jugendlichen Bewohner der Linthebene' zu begegnen. Die im Uznaberg gefundene Versteinerung eines Nashornschädels ist Zeugnis einer längst vergangenen Zeit und durch eine Reihe glücklicher Zufälle absolut perfekt erhalten.

 

Dass im musUm Uznach ein solch wertvolles Replikat – das Original befindet sich im Naturmuseum St.Gallen – ausgestellt werden könnte, sprengte alle Vorahnungen von Peter Blöchlinger, Präsident der Ortsgemeinde Uznach und der musUms-Kommission. Die Experten sind sich einig: Schweizweit ist dieses Dokument aus längst vergangener Zeit ein Jahrhundertfund von grösster Bedeutung.

Die Zeitreise eines Nashorns

Wo heute der Uznaberg liegt, kam vor rund 20 Millionen Jahren in einer subtropischen Welt, ein junges, urzeitliches Nashorn aus irgendeinem Grund ums Leben. Im sandigen Grund des Flussbettes lagerte sein 45 cm langer Schädel ein, wo er über Jahrmillionen durch Einfluss von Druck und Temperatur versteinerte. Im Uznacher Steinbruch wurde er durch Zufall von Reto Zwicky mit dem Pressluftwerkzeug freigelegt. Während der Bearbeitung fiel dem jungen Steinmetz eine schwärzliche Unebenheit auf, deren Form einem Fisch glich.

Von Neugier getrieben machte sich Zwicky daran, den Stein zu bearbeiten, wobei ein immer grösseres Stück zum Vorschein kam. In weiser Vorahnung liess er sich von Hans Jakob Sieber, dem Leiter des Sauriermuseums in Aathal beraten. Diesem war der wahre Wert des Fundes sofort bewusst: Es musste sich um den Schädel eines Säugetieres handeln. Er schaltete sogleich das St.Galler Naturmuseum ein. „Während drei Jahren bewahrte ich den Stein auf meiner Kommode auf. Hätte ich diesen doch bei E-Bay versteigert, vielleicht hätte ich einen guten Preis gemacht“, lachte Zwicky. Doch die Beteiligten waren ihm dankbar, dass er richtig gehandelt hatte.

Überraschende Erkenntnis

In aufwändiger Präparation gelang es dem Urzeitforscher Urs Oberli mit der nötigen Vorsicht den nahezu vollständig erhaltenen Schädel eines Nashorns freizulegen. Die Struktur deutet auf ein jugendliches Tier hin, welches kurz vor dem Zahnwechsel stand. Erstaunlich für die Wissenschaft ist, dass bisher kein vergleichbarer Fund der urzeitlichen Nashornart in der Schweiz vorliegt. „Die Weitersuche nach einem Fossil dieser Art ist aussichtslos in Uznach“, wie Direktor des St.Galler Naturmuseums, Dr. Toni Bürgin, die Sachlage aus paläontologischer Sicht einschätzt, „dies ist ein einmaliger Fund – ein Gebiss, wie aus dem Leben gegriffen.“

 

Von Ilona Raymann, linth24.ch

Franz Vettiger - über Uznach hinaus bekannt

Franz Vettiger (1846-1917) war ein bekannter, angesehener und viel gefragter Kunstmaler. Er hat in der ganzen Schweiz zahlreiche Kirchen ausgemalt. Für seine Kirchenbilder entwickelte er umfassende theologische Programme. Auch als Porträtist hat er Bedeutendes geleistet. Landschaftsbilder sind nur ganz wenige überliefert. Heute ist Vettiger weitgehend vergessen. Seine Kirchenbilder entsprechen nicht mehr dem heutigen Empfinden und sind fast überall beseitigt worden. In der Pfarrkirche Uznach sind noch seine Bilder von der Leidensgeschichte Jesu erhalten geblieben. Sein stattliches Wohnhaus in der Haslen musste vor 30 Jahren der Doppelturnhalle weichen. Das Wandtäfer seines repräsentativen Empfangszimmers ist im Sitzungszimmer des Rathaus eingebaut worden und blieb so erhalten.

Der Portraitmaler Vettiger war zu einer Zeit tätig, als die Fotografie die Porträtmalerei abzulösen begann. Vor Verbreitung der Fotografie ab der Mitte des 19. Jahrhunderts gab überall in beinahe jedem Dorf Porträtmaler, in Uznach Eicher und Witta. Vettiger erlernte im Zuge seiner Ausbildung auch das Porträtieren. Doch nach Verbreitung der Fotografie wurden gemalte Porträts nur noch zu repräsentativen Zwecken hergestellt, also von berühmten Persönlichkeiten. Als Kirchenmaler porträtierte Franz Vettiger vor allem geistliche Würdenträger, meist nach Fotografien. Am Anfang seiner künstlerischen Tätigkeit malte er noch nach Natur, später sassen ihm Familienmitglieder Modell.

Ein Familienportrait

Offenbar in fortgeschrittenerem Alter malte Franz Vettiger ein repräsentatives Porträt von sich und seiner Gattin Bertha geb. Marty aus Lachen. Er erscheint als selbstbewusster Künstler mit würdigem Bart, die Malerpalette als das Zeichen seiner beruflichen Tätigkeit, sie als die traute, liebende Gattin. Durch den runden, kostbaren Goldrahmen gewinnt das Bild einen intimen, aber auch würdigen Charakter. Vettiger erweist sich hier als gewandter Porträtist, der es versteht, den Charakter seiner Modelle mit dem Pinsel auf die Leinwand zu bannen. Das Bild hing in der Villa Roseck in Kirchberg, wohin eine seiner fünf Töchter nach ihrer Heirat zog. Das Bild kam als Geschenk von Paul Lenherr in Adliswil, dem Urenkel von Franz und Bertha Vettiger-Marty, ans museUm Uznach und bedeutet eine wertvolle Bereicherung der Sammlung.

Das museUm Uznach besitzt als Leihgabe der Kirchgemeinde Uznach ein Altarbild aus der früheren neugotischen Pfarrkirche und zwei schön gelungene Landschaftsdarstellungen Uznach von Westen und von Osten aus seiner frühen Schaffenszeit, besonders wertvoll, weil es von Franz Vettiger nur ganz wenige Landschaftsbilder gibt.